
Noch bis zum 5.2.2012 ist im Stadtmuseum Abensberg die Sonderausstellung "Und wenn sie nicht gestorben sind..." Die Ausstellung entführt den Besucher in die Welt der Märchen: Wer erzählte den Grimms Märchen und warum ist Rotkäppchen eine Französin? Antworten auf diese Fragen gibt die aktuelle Ausstellung im Herzogskasten.
Das Leben ist eine endliche Summe unendlich vieler Augenblicke. Vor der Erfindung hochpräziser Zeitmessinstrumente war der Augenblick die kürzeste denkbare und somit erlebbare Zeitspanne, definiert durch den Blick des Auges. Somit verbinden sich im Augenblick zwei nicht kongruente Systeme: die Zeit und das Bild. Johann Schwarzfischer bildet seine Augenblicke ab. Der Plural ist berechtigt, ist es doch immer eine Reihe von Augenblicken, die teilweise offen, manchmal subtil über- oder nebeneinander gelegt werden.
Maler
Zu Beginn seines Schaffens gewährt Schwarzfischer dem Betrachter auf großformatiger Leinwand einen verklärenden Einblick in die „rustikale Wunderkammern“ der Scheunen und Speicher. Die Anmutung dieser Sammelsurien, der abgelegten, auf eine neue Verwendung wartenden Objekte mahnt den Betrachter im Sinne eines barocken Memento Mori.
In seiner zweiten Schaffensphase löst sich Schwarzfischer von räumlichen Zwängen. Es kehrt Ordnung und Ruhe ein. Den Protagonisten seiner Dingwelten – Geräte, Räder, Textilien und ein gelber Eimer – bleibt Schwarzfischer treu. Deren Formen werden in der dritten Schaffensphase abstrahiert und greifen über die Leinwand aus (Shaped Canvas). Anstatt einer Auflösung in reiner Geometrie, manifestiert sich, neben den bereits bekannten Formen, der Resischmelz-Eimer, als Leitmotiv. Dieser wird in der vierten Werkphase transluzent und in Schnitten gestapelt, farblich und perspektivisch durchdekliniert. Gleichzeitig tauchen verhüllende Textilien auf und Schattenspiele transformieren zu grotesken menschlichen Silhouetten. Dies ist die Einleitung zu einem Bruch in Schwarzfischers Malerei, in dem der Mensch vordergründig bis dato keine Rolle spielte und lediglich als mittelbarer Urheber der dargestellten Dingwelten in Erscheinung trat.
Bilderformer
In dieser fünften Werkphase bildet der Eimer ein Gesicht aus und zahlreiche Kopffüßler bevölkern die Werke. Schwarzfischer bringt Vliese und andere Materialien auf die Leinwand auf und führt damit den mit den Shaped Canvases beschrittenen Weg der Modifizierung seines Malgrundes fort. Er wird vom Maler zum Bilderformer. Zudem gelangen Malerrollen zum Einsatz, wie sie in der Vergangenheit zur Dekoration von Wänden verwandt wurden. In der sechsten Werkphase verselbstständigen sich sowohl die Formen dieser Rollen als auch das Werkzeug. Sie drängen in den Vordergrund, werden in Einzelteile zerlegt und rekombiniert. In einem aufwändigen Prozess werden abgeformte Objektzitate und Textilien auf monochrome Malflächen appliziert und gleichsam damit conchiert. Inhaltlich setzt sich Schwarzfischer noch mit den bereits bekannten Dingwelten auseinander, allerdings beschäftigt ihn nun verstärkt die Menschenwelt. Diese Schaffensphase zeugt von einem gereiften Menschen, der seine künstlerische Ausdruckskraft zu klassischer Vollendung gebracht hat. Anstelle nun an diesem Punkt zu verharren widmet sich Johann Schwarzfischer in jüngster Zeit der Fotografie. Obwohl sich die aktuellen Werke formal und methodisch radikal vom bisherigen Werk absetzen, sind sie inhaltlich eine logische Weiterentwicklung. Die Dingwelten sind ebenso präsent wie die Menschenwelt und wieder werden Augenblicke festgehalten, die in ihrer Vergänglichkeit einzigartig sind.
Die Ausstellung „Meine Augenblicke“ gewährt einen stichpunktartigen Einblick in das gesamte Schaffen Johann Schwarzfischers. Es werden Werke aus allen seinen Schaffensphasen gezeigt. Insbesondere steht die Ausstellung am Anfang eines neuen kreativen Lebensabschnitts des Künstlers: Zum ersten Male stellt Johann Schwarzfischer seine fotografischen Arbeiten der Öffentlichkeit vor.
Vita
1956 in Asbach (Opf.) geboren
1976 Abitur in Regensburg
1997 – 83 Studium an der Akademie der Bildenden Künste, München bei Prof. Horst Sauerbruch und Prof. Rudi Tröger; anschließend Meisterschüler bei Prof. Tröger
1983 Diplom der Freien Malerei und Salzburgstipendium
1986 Staatlicher Föderpreis für Malerei des Freistaates Bayern
1998 Kulturförderpreis Ostbayern
seit 1979 Einzel- und Gruppenausstellungen sowie regelmäßige Teilnahme an der Großen Kunstausstellung, Haus der Kunst, München und der Großen Ostbayerischen Kunstausstellung, Regensburg
seit 1979 Mitglied der Neuen Münchner Künstlergenossenschaft
seit 1985 Mitglied des Berufsverbandes Bildender Künstler, Niederbayern/Oberpfalz
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10 2010 - Aus heiterem Himmel: Abensberger Lufbilder 1919 bis 2010
04 2010 - Spielwaren - vom Puppenhaus zur Playstation
04 2009 - 1809 - Napoleon und Abensberg
07 2008 - Vollgas! 80 Jahre Motorsport in Abensberg
05 2008 - Rita Karrer - Konkrete Kunst
03 2008 - Maria Maier: Kuba- Fotografie und Malerei
11 2007 - Krippen aus 4 Jahrhunderten
06 2007 - Stadtraum Abensberg
03 2007 - Wasser - Quell des Lebens
11 2006 - Ferdinand Kieslinger - Holzschnitte 1951 bis 1983
07 2006 - Eröffnung des Stadtmuseum Abensberg
07 2006 - Eröffnung des Stadtmuseum Abensberg - Progamm
12 2005 - Ausstellung Osterriederkrippe
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